Wie hoch soll mein Kaufgebot sein? — Strategie
Die Gebotshöhe ist Verhandlung, nicht Würfeln. Wie du Marktwert, Konkurrenz und Verhandlungsspielraum sauber kalibrierst.
Drei Variablen, die deine Gebotshöhe steuern
- Marktwert — was vergleichbare Objekte in der Lage tatsächlich erzielt haben. Nicht der Angebotspreis, sondern der realisierte Verkaufspreis.
- Konkurrenz — wie viele andere Interessenten realistisch im Spiel sind.
- Eigene Schmerzgrenze — wo dein „lieber nicht kaufen als das" liegt.
Marktwert seriös schätzen
- Bodenrichtwerte: Bei BORIS / VBV (DE), GeoLand (AT), Bundesamt für Statistik (CH).
- ImmobilienScout24, Immowelt, Comparis: Reale Verkaufspreise (Stichwort „Marktdaten" oder „Wohnpreis-Tracker").
- Gutachter: 500–1.500 € investiert, bei Objekten ab 400 k € sinnvoll.
- Notarkammer-Statistiken: Echte beurkundete Preise pro Region.
Konkurrenz einschätzen
Frage den Makler direkt: „Wie viele andere Interessenten haben Sie aktuell?" In der Regel bekommst du eine grobe Antwort. Höchstens 10–15 % der genannten Zahl reichen üblicherweise bis zum Gebot.
- 0–2 Interessenten: Du bist die Verhandlungsmacht. 5–10 % unter Angebot.
- 3–7 Interessenten: Konkurrenz steigt. 0–3 % unter Angebot.
- 8+ Interessenten: Bieterverfahren kommt. Maximales Gebot überlegen.
Deine Schmerzgrenze definieren — bevor du bietest
Setze drei Werte fest, bevor du das erste Gebot abgibst:
- Wunsch-Preis — was du gerne zahlst.
- Realistischer Preis — was du wahrscheinlich zahlen wirst.
- Walk-away-Preis — wo du aufhörst, egal was passiert.
Diese Werte werden nicht dem Makler verraten — sie sind dein Anker, der dich vor Emotional-Überzahlung schützt.
Drei typische Strategien
1. „Test the Water"
5–10 % unter Angebot bieten und auf Reaktion warten. Funktioniert bei wenig nachgefragten Objekten. Riskant bei begehrten — du wirst überholt.
2. „Full Price, kein Verhandlungsspielraum"
Angebotspreis exakt + Finanzierungsbestätigung + früher Notartermin. Signal: ich bin schnell und ernst. Wirkt bei mittlerer Nachfrage.
3. „Closing Offer"
Etwas über Angebot mit klarer Eskalation („ich biete 5 % über Angebot, sofern Sie das Bieterverfahren abkürzen"). Hochrisiko, aber gewinnt bei Top-Lagen Objekten.
Was du NIE tun solltest
- Dein Erstgebot mit „Verhandlungsspielraum" kommunizieren.
- Mehrere Objekte gleichzeitig bebieten mit der Absicht, das billigste zu kaufen.
- Mit emotionalem Druck nach oben gehen, wenn das Bauchgefühl Nein sagt.
Häufige Fragen
Wie viel unter dem Angebotspreis ist realistisch?▾
In gefragten Lagen 0–3 % unter Angebot, sonst ist die Konkurrenz schneller. In schwächeren Märkten oder bei länger inserierten Objekten sind 5–15 % unter Angebot realistisch. Faustregel: Je länger das Objekt schon online ist, desto mehr Spielraum nach unten.
Soll ich gleich mein „Last Best Offer" reinlegen?▾
Bei strukturierten Kaufgeboten ohne Bieterwettbewerb: tendenziell ja. Du weißt nicht, wer noch bietet, und kommunizierte „Verhandlungsbereitschaft" wird oft nicht zurückgespielt. Bei einer echten Auktion (Bieterverfahren): nein — dort startet man immer mit dem Mindestgebot.
Wie behandle ich runde Beträge?▾
Runde Beträge wie 400.000 € wirken willkürlich. Ein Gebot von 405.500 € wirkt durchgerechnet und ernsthaft. Psychologisch schon einen kleinen Vorteil bringt — kostet nichts.
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